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Alexander
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Tierische Begegnung
Die Fusspflegeaktion und die Reparatur des Vortages waren ein voller Erfolg. Die Blasenschmerzen waren am Morgen wie vom Wind weggeblasen. Der Rucksack hielt. So konnte die Wanderung unbeschwert weitergehen. Es sollte der bisher schönste Tag werden. Der Wind hatte die Richtung gewechselt und blies nun aus südlicher Richtung. Und das den ganzen Tag. Die Temperaturen waren dadurch mehr als angenehm. Auch die Mittagsstunden waren ohne Schatten erträglich. Die Sandebene, auf der ich lief, war hart und eben wie ein Bügelbrett. Eine optimale Laufunterlage.
Wie hart muss man sein, um hier sein Leben fristen zu können?
Punkt 12:00 erreiche ich das vierte Wasserdepot. Nur ein Markierungsstab und der Grasbüschel wiesen auf das Versteck hin. Ich fülle die leeren Flaschen auf. Danach Mittagspause. Auf der Seite liegend und auf den rechten Arm gestützt überblicke ich die Dünen. Ich versinke in Gedanken und schliesse die Augen ohne zu schlafen. Plötzlich macht sich etwas an meinem linken Fuss zu schaffen. Was konnte das sein? Eine Schlange? Ich hatte vorher keine Spuren gesehen. Ich öffne langsam meine Augen und bemerkte einen schwarzweissen Vogel, der auf meinem Fuss sitzt und sich mit den Schnürsenkeln meines Schuhs beschäftigt. Ein schönes Fotomotiv, denke ich mir und packe vorsichtig meine Kamera aus. Der Vogel schreckt jedoch auf und fliegt 3 - 4 Meter von mir weg. Ich nutzte den Moment, meine Kamera in Stellung zu bringen, die ich mit der rechten Hand halte, immer noch auf den rechten Arm gestützt. Als ob der Piepmatz meine Absicht erraten hatte, trippelt er nach links seitwärts aus dem Blickfeld meiner Kamera. Ich verharre still in meiner Haltung in der Hoffnung, dass der Vogel noch einmal zurückkommen würde. Etwa 30 Sekunden später spüre ich etwas an meinem rechten Arm. Der Vogel sitzt nun auf meinem rechten Arm, mit dem ich die Kamera halte. Er hatte mich einfach umlaufen und sprang nun auf meinem Arm munter auf und ab. Irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde mich dieser Vogel auslachen. Du schiesst von mir kein Foto! Nach einigen Minuten hatte der Vogel genug von mir und er verschwand in den Weiten der Wüste...
Fortsetzung folgt _________________ The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
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Aegypten Urlauber
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Alexander
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Zerfallserscheinungen
Es fällt mir immer schwerer bei den kühlen Morgentemperaturen aufzustehen. 4:30 ist aber mein Limit. Um diese Zeit möchte ich spätestens unterwegs sein
In der Wüste findet man ausgefallene Strukturen. Bei diesem Objekt handelt es sich um kein Gürteltier oder prähistorisches Tier mit Schuppenpanzer. Ein Stein, der vermutlich schon einige Ewigkeiten hier liegt, wurde von Sand, Wind und Wetter bearbeitet.
Doch irgendwann ist es so weit. Der Stein ist dem Verfall Preis gegeben. Irgendwann zerfällt er in kleine Steine und schliesslich zu Sand...
...und wird dann vom Wind in die weiten Wüstenebenen fortgetragen, oder zu Dünen aufgehäuft.
Panoramafoto: Zur Grossansicht bitte auf den Link klicken.
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Alexander
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Als die Sonne begann, den morgentlichen Himmel in brand zu setzen, war ich längst schon unterwegs. Ich dachte, was ich in den letzten Tagen gesehen und erlebt hatte, wäre nicht mehr zu überbieten. Doch ich sollte mich täuschen. Dieser Tag wurde mit einem glühenden Morgenrot eingeleitet.
Ich stand schon auf der ersten Düne, als die Sonne den Horizont überschritt.
Vor einigen Tagen hatte ich eine Feldflasche mit Wasser gefüllt, aber vergessen, dass ich Peronin, ein Nahrungsmittelpulver zugesetzt hatte. Den Schluck, den ich aus der Flasche nahm, schmeckte eklig. Das Wasser war in der Flasche, aus welchen Gründen auch immer "umgekipp". Es war nicht mehr trinkbar. Dazu kam, dass ich beim letzten Wassertanken eine 1,5 Liter Flasche nicht aufgefüllt hatte, um das Gewicht der Rucksacks zu erleichtern. Die anderen Flaschen waren bereits aufgebraucht. Ich hatte nur noch eine Feldflasche mit 2,2 Litern. Ich war aber nur knapp 10 Kilometer von der nächsten Wasserstelle entfernt und hatte somit noch ausreichend Wasser.
Endlich komme ich den Dünen näher. Wieviele Schritte muss ich noch gehen, bis ich vor ihnen stehe?
Man gewinnt den Eindruck, als wäre noch niemand vor mir hier gewesen. Die Sandoberfläche ist vollkommen unberührt. Keine Autoreifen, kein Fussabdruck. Nur die Abdrücke, die ich hinterlasse.
Links von den beiden Hügeln im Fels liegt das nächste Wasserdepot. Nur noch wenige Kilometer, dann kann ich meine Vorräte wieder auffüllen.
Dort, wo sich zwei Dünen zu einer Ketter verschmelzen, entstehen teilweise tiefe Dünentrichter.
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Alexander
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Der fünfte Wasserkanister war in einer Ausbuchtung eines Felsens versteckt, der aus dünnen Kalkplatten bestand. Die ersten Schluck aus dem kühlen Kanister sind immer die besten.
Ironischer weise liegt auch hier, direkt neben dem Wasserdepot ein toter Vogel. Die Grenzen zwischen Leben und Tot verschwimmen.
Errosion: Der Wüstenzahl nagt unaufhörlich an allem, bis es zu Sand zerfallen ist.
Folgt man in Richtung der beiden Hügel, erreicht man man zunächst eine weite, ansteigende Sandebene. Danach stösst man auf ein Gebiet, in dem man die schönsten Dünen findet. Bis dahin sind es aber noch einige Kilometer.
Reifenspuren, die Mohammed hinterlies, als er für mich das Wasser deponierte.
Ein Faustkeil. Wie lange liegt er schon hier? Wer hat ihn benutzt?
Am Horizont erkenne ich ein Gewirr von Dünen, wie ich es auf meiner Wanderung bisher nicht gesehen haben. Es sieht nach einem grösseren Erg aus. Ich bin schon gespannt, was es dort zu entdecken gibt.
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Alexander
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Endlich hatte ich den Erg erreicht. Um einen besseren Ausblick zu haben, klettere ich auf eine höhere Düne. Die Anstrengung lohnt sich. Ich habe einen Überblick über mehrere Dünenketten und verschiedenen Dünenansamlungen. Ein gigantischer Ausblick.
Jeder Tag hatte bisher den vorherigen übertroffen. Hier findet man alles, was ein Wüstenliebhaber begehrt: verschiedene Wüstenlandschaften, unberührte Natur, Ruhe und Frieden.
Zu gerne hätte ich mir diese Dünenkonstellation näher angesehen. Sie sind aber zu weit weg und die Zeit bleibt nicht stehen. Leider. Aber ich bin mir sicher: es gibt ein nächstes Mal.
Die Dünenketten ziehen sich 20 - 30 Kilometer durch die Landschaft.
Aus der Ferne erkenne ich eine Dünne, die durch die schon tiefer stehende Sonne Schatten wirft. Der erste Schatten seit drei Tagen. Ich beschleunige meinen Schritt, brauche aber trotzdem noch eine Stunde, bis ich ihn erreiche.
Meine täglichen 20 Kilometer hatte ich geschafft. Der Abend ist nicht mehr weit entfernt und dieses friedliche Plätzchen bietet sich geradezu als Nachtlager an. Bis die Nacht herein bricht, sitze ich auf der Düne und geniesse den endlosen Ausblick auf ein Stück Paradies.
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Alexander
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Nachdem ich mich aus dem Schlafsack gequält hatte, machte ich mich weiter auf den Weg Richtung Süden. Im Dunkeln, ohne Mondlicht ist die Orientierung nicht einfach. Dennoch wundere ich mich immer wieder, wie viel man nachts nur im Schein des Sternenlichtes in der Wüste erkennen kann. Der Orion befindet sich um diese Zeit schon zu weit westlich, sodass ich mich am östlichsten Stern des Sternbildes Einhorn orientiere. Er gibt für mich die Richtung an, bis er im aufgehenden Sonnenlicht verblasst.
In der Dunkelheit hatte ich eine Düne bestiegen und erkannte erst später, dass es sich um eine "Walfischdüne" handelte, welche die Basis für weitere Dünen bildete.
Mit diesen Sandwellen hatte ich schon verher bekannt schafft gemacht. Trete ich in ein Wellental, schmerzen wieder die Blasen an meinen Fersen. Setzte ich meinen Schritt auf einen Wellenberg, bleiben die Schmerzen aus. Das Verbiegen der Sohle im Wellental scheint dies zu bewirken. Also vesuche ich so gut wie möglich die Wellentäler zu meiden.
Spuren eines Toteskampfes? Einige Spuren hatte der Vogel noch hinterlassen, bevor er starb.
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Alexander
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Weiter geht es durch den Erg. Dünen so weit das Auge reicht.
Etwas 12 Kilometer entfernt taucht im Osten hinter den Dünen ein Berg auf, der wiederum teil eines kleinen Plateaus ist. Ich folge aber weiter den Dünen.
Immer wieder wechseln sich harter Sand mit tiefen Weichsandfeldern ab. Nicht immer gelingt es mir, dem Weichsand auszuweichen. Sie sind kraftraubend. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wind an diesem Tag nur sporadisch bläst. Sind die Mühen das wirklich alles wert? Ich beantworte diese Frage mit einem definitiven: Ja. Diese Wanderung ist das Beste, was ich in meinen 30 Jahren Wüstenreisen erlebt habe.
In einigen Kilometer Entfernung erkennt man eine graue Ebene. Sie markiert das Ende des grossen Ergs.
Die Route führt weiter herunter von den hohen Dünen in ein Tal, von dem aus ich eine Dünenkette erkennen kann. Ihr folge ich in Richtung Süden bis zum Ende des Tages.
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Alexander
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Bunte Steine. Es ist erstaunlich, was man in der Wüste alles findet. Ein Haufen bunter Steine im Sandbett. Als würden sie nicht dorthin gehören. Aber sie sind doch da.
Nachdem ich den Erg verlassen hatte, gewinnt zunächst immer mehr felsiger Boden die Oberhand. Hart und uneben. Ich muss aufpassen, wo ich meinen Fuss hinsetzte.
Das vorletzte Wasserdepot versteckt unter massiven Felsplatten. Es sind nur noch wenige Tage und meine Wanderung, ein ganz besonderes Abenteuer wird zu Ende sein. Die Gegend ist sehr interessant und es gibt viel zu sehen. So entschliesse ich mich an dieser Stelle gleich das Nachtlager aufzuschlagen und nutze die Abendsonne, um die Gegend etwas zu erkunden.
Alte Tonscherben. Wie lange mögen sie schon hier liegen? Wer hat sie zurückgelassen?
Ich habe Bedenken am Morgen noch in der Dunkelheit auf dem harten und unebenen Untergrund meinen Marsch fortzusetzen. Daher erkunde ich zunächst die Strecke und entscheide mich dann aber trotzdem es vorsichtig am nächsten Tag zu versuchen.
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Alexander
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Die kleine Weisse Wüste
In der Nähe meines Lagerplatzes liegt eine schmale etwa 80 Meter lange weisse Kalkebene. Sie sieht aus wie die Miniaturausgabe der Weissen Wüste. Kleine, etwa 30 - 40 cm grosse Kalkpilze schiessen aus dem Boden.
Kalkmonumente im Zwergenformat.
Korallen: Versteinerungen aus einer Zeit, als die Wüste noch Meer war.
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Alexander
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Aufbruch im Dunkeln
Das Lager breche ich im Dunkeln ab. Meine Taschenlampe hatte sich entschieden, ihren Dienst einzustellen. Die Batterien konnten es nicht sein. Ich zerlegte meine mini Maglite, soweit es mir im Dunkeln möglich war. Evtl. lag es nur an einem Kontakt. Doch das brachte das Leben nicht zurück in meine Taschenlampe. So tastete ich mich durch das schummrige Sternenlicht. Schliesslich hatte ich alles in meinem Rucksack verstaut. Ich nahm mir vor, die Taschenlampe im Tageslicht einer gründlicheren Untersuchung zu unterziehen.
Wie am Vortag beschlossen, mache ich mich bereits in der Dunkelheit auf den Weg. Anfangs laufe ich aufgrund des schroffen Felsuntergrundes fast in Zeitlupe. Der unebene Boden macht auch meinen Blasen zu schaffen. Nach kurzer Zeit jedoch wechselt der Untergrund wieder, da der Fels von einer dicken Sandschicht bedeckt wird. Das GPS zeigt mir den Weg. Der nächste Waypoint liegt hinter einer Dünenkette. Der Sand wird plötzlich weich und ich sinke tief ein. Trotzdem kämpfe ich mich auf den Dünenkamm, um eine bessere Aussicht zu bekommen. Auf der anderen Seite sehe ich, immer noch im Dunkeln, Dünentrichter und steile Auf- und Abstiege. Im Dunkeln ist mir das zu problematisch. Auch möchte ich mir die anspruchsvolle Dünenpassage mit dem zusätzlichen Gewicht der aufgefüllten Wasservorräte nicht antun. Ich gehe daher wieder zurück und folge der Dünenkette Richtung Süden bis es dämmert und ich das Gelände im aufgehenden Sonnenlicht besser einschätzen kann.
Im Osten, ca. 8 Kilometer von meinem Standort erhebt sich der Jabal Shawshaw, ein über 400 Meter hoher Berg, der die nordwestliche Begrengzung eines Plateaus bildet. Es würde mich reizen, die Gegend näher zu erforschen. Es würde mich einfach aber mindestens einen Halbtagesmarsch kosten und mich weit von meinem letzten Wasserdepot wegführen. Da ich mir aber sicher bin, nicht zum letzten mal diese Gegend besucht zu haben, hebe ich mir den Ausflug für ein anderes mal auf.
Die letzten grösseren Dünen. Sie werden immer kleiner, je weiter ich nach Süden laufe.
Was war das für ein Vogel, der hier vor längerer Zeit sein Ende gefunden hat?
Die Landschaft wechselt nur häufig zwischen Sand und Fels. Der Boden ist aber meist solide, der Sand federt meinen Schritt und ist angenehm für die Füsse. Immer mehr Felsen bedeutet immer mehr Schatten und ich habe häufiger die Möglichkeit eine Pause einzulegen. Obwohl ich nun schon fast zwei Wochen unterwegs bin, spüre ich noch keine deutlichen konditionellen Probleme. Nur die Füsse und der Rücken melden sich gelegentlich zu Wort und beschweren sich über das Pensum, das sie jeden Tag leisten müssen.
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Alexander
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Ein letzter Blick zurück, bevor es weiter Richtung Dakhla geht. Es wird mir immer mehr bewusst, dass sich meine Reise dem Ende nähert. Ich werde nachdenklich....
Je mehr sich die Felsen häufen, um so öfter stosse ich auf Schlangenspuren. Obwohl ich immer wieder den Spuren folge und auch Felsnieschen absuche, finde ich keine Schlange. Es ist ihnen wahrscheinlich, wie mir an diesem Tag etwas zu heiss. An diesem Morgen hatte der Wind wohl wieder einmal verschlafen.
Ich frage mich, warum sich Fliegen immer auf die Nase setzten müssen. Ich spreche nicht von diesen kleinen Fliegen. Nein, ich meine diese dicken zwei Zentimeterbrummer. Sie setzten sich immer auf die Nase. Und wenn die Nase gross genug ist, dann gesellt sich bestimmt noch eine zweite Fliege dazu. Und wehe die Nase ist besetzt und eine dritte Fliege meldet noch ihren Anspruch an. Dann gibt es Streit um die Landebahn. Ein Gewirr von Fliegen. Und ist die Nase besetzt, dann gibt es ja noch die Brillengläser. Die eignen sich auch sehr gut als Lande- und Startoberfläche für Fliegen. Während ich so durch die Landschaft schländere gesellen sich immer mehr Fliegen dazu. Ich wedle mit den Händen, was die Fliegen nur kurz davon abhält, mich weiter zu belästigen. Bei Fliegen scheint es sich um eine ganz besonders sture Spezies zu handeln. Sie sind unerschrocken und unbelehrbar. Immer wieder fuchtle ich vor meinem Gesicht herum, aber erfolglos. Ich bin ein ruhiger und gutmütiger Mensch, besonders in so einer ruhigen und friedlichen Landschaft. Ich merke aber trotzdem, dass ich immer ungehaltener werde. Es regt sich in mir der Wunsch, die Fliegen vom Dieseits ins Jenseits zu befördern. Meine Hemmschwelle sinkt....
Als die Hitze nun immer grösser wurde und diese dicken Plagegeister immer noch nicht von mir lassen wollte, nutze ich den nächsten schattenspendenen Fels, um eine Pause einzulegen. "Jetzt seid ihr drann", dachte ich mir. Da ich mir selbst nicht auf die Nase schlagen wollte, um die Fliegen zu erledigen, wedelte ich wieder mit den Händen herum und wartete, bis die Fliegen sich irgendwo im Sand oder auf meiner Jeans breit gemacht hatten. Ich bewege mich ganz vorsichtig. Ich erhebe die Hand, ziele sicher und schlage zu. 1:0 für mich. Nach wenigen Minuten bin ich wieder alleine und die Wanderung geht weiter.
Immer noch kein Windzug. Da kommt der Schatten gerade zur rechten Zeit. Ich nutze die Gelegenheit zur Blasenversorgung und versuche erneut meiner Taschenlampe wieder Licht zu entlocken. Wiederum zerlege ich sie. Im Schraubverschluss befindet sich ein kleiner Behälter, in der sich eine Ersatz-LED befindet. Ich wechsle sie aus und voila, sie erstrahlt wieder im alten Glanz.
Die Sonne scheint an diesem Tag unerbittlich. Es ist gleich Mittag und es rührt sich immer noch kein Windhauch. Das Sonnenlicht wird von grauen, von Wind und Sand spiegelglatt geschliffenen Felsen reflektiert. Das Licht blendet. Ohne Sonnenbrille wäre es zu grell.
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Alexander
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Die letzte Nacht
Eigentlich müsste ich mich in diesen endlosen Weiten total verloren vorkommen. Sie müsste beängstigend sein. Für viele Menschen ist diese Ruhe und Stille erdrückend. Sie beschäftigen sich zu sehr mit sich selbst und ihren scheinbaren nicht wirklich existenten Problemen. Sie zerstören sich damit selbst. Ich glaube, um die Wüste in vollen Zügen geniesen zu können, muss man zunächst mit sich selbst im Reinen sein und die Wüste und ihre "Gesetze" so akzeptieren, wie sie ist. Wer sich gegen die Regeln der Wüste stellt, gibt sich der Verdammnis preis. Wer die Wüste hingegen achtet, dem offenbar sie ihre ganze Schönheit.
Der letzte Abend neigt sich dem Ende. Morgen früh wird für mich der letzte Tag anbrechen und ich das letzte mal meine Wasservorräte auffüllen. Bei diesen Gedanken wird mir ganz anders. Bald würde es wieder zurück in die "Zivilisation" gehen, zurück dorthin, von wo ich vor einigen Wochen noch geflüchtet bin. Ich verdränge diese Gedanken und geniese den letzten Abend und die intensiven Farben, welche die untergehende Sonne auf die Landschaft zaubert.
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Alexander
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Der letzte Tag
Am Morgen des 15. und letzten Tages erreiche ich das letzte Wasserdepot, das Mohammed sorfältig an einem Felsen angelegt hatte. Zusätzlich hatte Mohammed auf dem Felsen einige Steine aufgehäuft, damit ich das Versteck auf keinen Fall übersehe.
Als die Sonne ihr Licht über das Land wirft, sehe ich, was für eine Herausforderung auf mich wartet. Das Gelände ist bestückt mit grossen und kleinen Hügeln. Ein Irrgarten, durch den ich meinen Weg finden muss. Oft stehen sie so eng, dass ich einen Umweg in Kauf nehmen muss. Die Navigation ist nicht ganz einfach, obwohl das GPS die genaue Richtung angibt.
Besonders schön sind hier die Farben und Kontraste am Morgen. Schatten werfen sich über den harten grauen Fels. Die Wellen des Sandes brechen und reflektieren das Licht.
Über weite Strecken breitet sich der graue Fels aus. Irgendetwas hat im Laufe der Zeit Linien in den Stein gefräst. Alle Linien verlaufen in eine Richtung. Ähnliches habe ich anderen Ländern gesehen, wo in Urzeiten Eisgletscher die Landschaft formten.
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Alexander
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Sackgasse
Aus verschiedenen Karten hatte ich mir Koordinaten herausgeschrieben, da ich auf Satellitenkarten schon erkannt hatte, wie unübersichtlich das Gebiet sein könnte. Somit hätte ich zumindestens eine grobe Richtung, an die ich mich halten würde. Immer wieder führt mein Pfad zwischen Bergen, Hügeln und engen Durchgängen hindurch.
Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Einige Berge versperren mir den Weg. Ich entdecke einige Reifenspuren, die eine andere Richtung eingeschlagen hatten. Mir war aber nicht klar, wie gross der Umweg sein würde, den ich in Kauf nehmen müsste. Ich suchte in allen Himmelsrichtungen nach einer kürzeren Alternative, aber vergeblich. Ich schalte mein GPS ein, um nochmal den nächsten Waypoint und die Richtung zu prüfen. Das GPS empfängt, auch nach längerer Wartezeit keine Satelliten. Nur eine Nachricht erscheint auf dem Display: POWER DOWN AND RE-INITIATE. Also schalte ich das GPS aus und wieder ein. Mein GPS aber zeigt nur die gleiche Nachricht. Nach dem fünften Versuch endlich. Das GPS zeigt mir wieder die Richtung. Der nächste Waypoint liegt genau hinter den Bergen.
Ich frage mich, warum kletterst du nicht einfach auf einen der Berge rauf? Zumindestens wüßte ich danach, was hinter den Bergen liegt und ob es dort weiter geht. Zwischen zwei der Bergen liegt eine Sandverwehung, die ich für den Aufstieg nutze. Der Aufstieg ist steil, liegt aber im Schatten, was die Kletterei erträglicher macht.
Kurze Zeit später erreiche ich den Berggipfel. Ich sehe mich um und hoffe darauf, einen Weg Richtung Bab el Qasmund zu finden. Vom Gipfel wieder herunter führt eine lange Sandzunge. In grösserer Entfernung erkenne ich erneut ein Gewirr von engstehenden Bergen. Die Aussicht ist überwältigend. Die Entscheidung ist schnell gefällt. Ich folge der Sandzunge weiter in Richtung zu den Hügeln.
Reifenspuren erwecken in mir die Befürchtung, dass ich bald nicht mehr alleine sein werde. Zumal die Spuren immer mehr zunehmen und in eine teilweise gute Piste übergehen. Meine Befürchtung war aber unbegründet.
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Alexander
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Eigentlich handelt es sich bei dieser Piste um eine Passstrasse, die kommend von der Darb el Farafra, der alten Karawanenstrasse, über den Bab el Cailliaud und dem 490 Meter hohem Bab el Qasmund zur Oase el Qasr führt.
Die Piste ist überwiegend gut zu befahren, teilweise sogar mit Steinen gepflastert. Einige Stellen jedoch erfordern das ganze Können von Fahrer und Fahrzeug. Diese Stellen sind nicht nur steil. Sie sind mit tiefem Weichsand bedeckt. Alle Spuren, die ich dort oben entdeckt habe, waren schon älteren Datums. Weiter unten wird die Piste von einer Düne überlagert, die auch schon seit Längerem nicht mehr durchquert wurde.
In dieser Gegend kann man sich weder verfahren noch verlaufen. Die Piste befindet sich in gutem Zustand und kennt nur eine Richtung: hinunter nach el Qasr.
Links und rechts wurde die Piste teilweise mit Steinen markiert. Jemand hat sich dafür viel Mühe gemacht.
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