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nagi
Anmeldedatum: 29.06.2008 Beiträge: 1878
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Die ewige Wirtschaftskrise Ägyptens, die Immobilienpreise und die hohe Arbeitslosigkeit brachten den Heiratsmarkt völlig zum erliegen. Vor allem trifft es die schönsten und hoch ausgebildeten Mädchen im Land. Die Zahl der Universität – Absolventinnen, die das 30. Lebensjahr überschritten und noch keinen Mann an der Seite haben steigt schrecklich. Dort in den Unis steigen folglich die Urfiverträge in bängsten Massen, da solche Ehen dienen nur den Zweck des Zusammenschlafes, die verbotenen Beziehungen legitimieren, und weil Mädchen keinerlei Rechte von haben, nicht mal wenn ein Kind zur Welt kommt.
Angestiftet von besorgten Müttern und Väter, die die psychische und wirtschaftliche Last nicht gewachsen sind, nutzen junge Mädchen jede große Ansammlung von Männern, um ihre Schönheiten zu Schau zu stellen, vielleicht fällt ja einer darauf. Über Goldgeschenke und Morgengaben verzichten die Mädchen und deren Eltern freiwillig. Kein Platz mehr für so was.
Mit einem Tuch über den Kopf, einer engen Jeanshose, die mit einem hängenden Gürtel geschmückt ist, und mit einem Pullover, der auf den Oberkörper eng gezogen ist, laufen junge Mädchen in Dreie Gruppen und warten gespannt auf Reaktionen. Heiraten wollen sie, müssen sie auch, sonst nichts.
Die frommen Jungen Männer, die nichts in der Tasche haben, eine Wohnung zu mieten, komplette Wohneinrichtung zu beschaffen und ein Hochzeitsfeier zu veranstalten fluchten in den Fasten, oder letztendlich hocken sie in den Moscheen. Diesen Ausweg wurde ihnen von heiratswilligen Mädels auch gesperrt, denn immer mehr Frauen gehen in den Moscheen zum beten, und um gewisse andere Zwecke immer im Auge zu haben. Angezogen mit schwarzen, engen Gewänder (Galabias), mit dem Kopftuch schön um die Haare gedreht und manchmal auch mit einem Schleier auf dem Gesicht, bemerken sie jede Bewegung eines Mannes, die auf eine Ernährung hinweist.
In der größten Zeitung Ägyptens Alahram, Ausgabe 31.10.2008 beschwerte sich eine Mutter in einem offenen Brief und fragt: warum hat meine Tochter bis heute noch nicht geheiratet. Sie hat schon einen Magister und einen Doktortitel hinter sich, schön, sportlich und lebensfroh, und ist schon über 30 geworden ohne den richtigen gefunden zu haben. Was hat sie nur falsch gemacht, fragt die Frau.
Heiraten wollen sie, müssen sie auch, sonst nichts. Ist das viel.
Gruß
Nagi |
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Aegypten Urlauber
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ana
Gast
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| Zitat: |
| In der größten Zeitung Ägyptens Alahram, Ausgabe 31.10.2008 beschwerte sich eine Mutter in einem offenen Brief und fragt: warum hat meine Tochter bis heute noch nicht geheiratet. Sie hat schon einen Magister und einen Doktortitel hinter sich, schön, sportlich und lebensfroh, und ist schon über 30 geworden ohne den richtigen gefunden zu haben. Was hat sie nur falsch gemacht, fragt die Frau. |
Denke, sie hat nichts falsch gemacht, sie hat nur eine andere Lebensvorstellung - hat sich "emanzipiert" - oder der Mann will nicht, weil sie zu klug ist oder mehr Geld als er verdient? Oder das Geld für die Wohnung und Möbel ist nicht vorhanden?
LG |
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Andy
Anmeldedatum: 07.04.2008 Beiträge: 372
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Zuletzt bearbeitet von Andy am 18.06.2009, 21:38, insgesamt einmal bearbeitet |
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Mor'us el-Almani
Anmeldedatum: 15.04.2009 Beiträge: 123 Wohnort: Düsseldorf
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naja, Freunde, mal kurz ne Retrospektive: Zentral-Europa im ausgehenden 19./beginnenden 20. Jhd
da waren die Frauen in Deutschland/Frankreich/England ebensolche Gebärmaschinen, man trug damals als Frau auch keine Hose, das war unanständig, fuhr kein Fahrrad, übte keinen Beruf aus, von Studium ganz zu schweigen.
Insofern haben es die Frauen in Ägypten (dank Nasser und Konsorten) schon etwas weiter gebracht.
Das Dilemma mit Heiraten ist ja ein Kreislauf, und nicht immer - ich möchte fast sagen 50/50 der Fälle - ist das eine einseitige Abhängigkeit der Frau.
Gab letztes Jahr eine Umfrage, in welchem Land die selbstgefühlte Zufriedenheit geschlechterspezifisch am höchsten läge, und - oh Wunder - unter den ersten 10 Plätzen (weltweit!) waren 3 arabisch-islamische Staaten, darunter Ägypten.
Klar kann man aus unserer Sicht die Frauen als Opfer sehen und im Mitleid vergehen:
Unwissenheit - schlechte Bildung - keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt - einzige Zuflucht Versorgungsehe
Nun habe ich eine ganze Weile in Ägypten und Syrien gelebt (und nicht in einem Hotelbett geschlafen), und ich kann mir ein gutes Bild der ägyptisch-syrisch-arabischen Durchschnittsfrau machen (die es natürlich garnicht gibt). Sie sieht das etwas anders:
Warum soll sie sich die Plackerei in einem Job antun (in dem sie eh noch weniger verdient als ein Mann mit gleicher Leistung, ist wie bei uns, gelle), wenn sie diese niedere Tätigkeit einem Mann überlassen kann? Klar ist der Deal, daß sie dafür die Kinder zur Welt bringt, das gehört dann dazu. Aber kurz zu den Vorteilen:
1) die Frau führt das Regiment zuhause, von Unterdrückung durch den Mann ist in wenigen Fällen zu sprechen
2) aufwendige Kindererziehung?: die arabischen Frauen sind selbst oft so jung, daß sie eigentlich selbst noch erzogen werden müßten und so mit der Erziehung ihrer eigenen Kinder etwas überfordert scheinen. Für altersspezifische, individualistische, kindgerechte Persönlichkeitsentwicklung ist da wenig Platz. Dafür werden die Kinder dann vom Mann umso mehr verhätschelt, was freilich auch nicht gut ist. In besseren Familien muß natürlich ein Kindermädchen her. Dann hat die Frau noch weniger damit am Hut. In einfachen Familien sind die Kinder einfach immer nur mit dabei und um die Mutter herum bei ihren sonstigen Beschäftigungen (essen, schlafen, einkaufen...), auf dem Land bäuerliche Arbeit. Das geht bis zu einem Alter 7 Jahren, dann ist mit einem Mal schluß mit lustig und der harte Alltag setzt unvermittelt für die Heranwachsenden ein, auf dem Land heißt es jetzt: dazuverdienen, entweder auf dem Feld mit Knochenarbeit, oder im Haus beim Nähen und Sticken, oder beim Müll sammeln und sortieren (Altstoffverwertung usw.), oder auf dem Bau als Handwerker (Ziegel schleppen, Sand schaufeln, Baugerüste und Schalungen nageln usw).
3) die Frau hat durch das Zur-welt-Bringen der Kinder ihren Teil des Deals erfüllt und kann sich etwas zurücklehnen, denn alles sonst muß der Mann tun, nämlich das Geld verdienen!
und wehe, er bringt zu wenig - dann ist das Geschrei groß!
Diese Strukturen haben wie gesagt auch in Europa (und Nord-Amerika) lange Zeit funktioniert, bis sich die Frauen nicht mehr damit zufrieden gegeben haben, sich auf die "Gebärmaschine" reduzieren zu lassen.
Innerhalb kürzester Zeit haben sie sich die gleichen Rechte erkämpft, stürmten die höheren Lehranstalten, ergriffen Berufe, und nahmen sich sogar das Recht, eventuell ein trautes Familienleben ganz der eigenen Karriere zu opfern.
Die Entwicklung mit dem "Zusammenbruch des Heiratsmarktes" hat demnach eine positive Chance:
Die gutausgebildeten Frauen, die eigentlich mit ihrer guten Ausbildung nur ihren Marktwert erhöhen wollten, um an einen Mann zu kommen, der ebenfalls einen höheren Verdienst versprach als andere, müssen nun vielleicht zwangsläufig darüber nachdenken, sich ihren Unterhalt selbst zu verdienen. Was sie zweifelsohne können, das zeigen einige wenige aber sehr erfolgreiche Geschäftsfrauen.
Das ist aber genau andersherum wie die Entwicklung in Europa! Dort wollten die Frauen erst selbständig werden und ergriffen dann die Berufe, um ihren Unterhalt zu verdienen. Hier haben wir super ausgebildete Frauen, die eigentlich garnicht selbst arbeiten wollen!
Was dabei am ende herauskommt, bleibt spannend.
M |
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